Radfahrer Christoph Lörcks mit Maro Engel am berühmten Poggio di SanRemo

Komoot Classics: Mailand SanRemo

Bereits seit einigen Wochen laufen die Rennen im Profiradsport bereits wieder. Mit Omloop het Nieuwsblad, Kuurne-Brussels-Kuurne und Paris-Nizza – um nur ein paar zu nennen – sind bereits gelaufen. Dieses Wochenende fand mit Mailand SanRemo das erste Monument der Saison statt. Das Rennen mit dem Spitzname „La Primavera“ (Der Frühling) gehört zu den wichtigsten des Jahres.

La Primavera

Mailand SanRemo gehört zu den traditionsreichsten Veranstaltungen im Radsport. Erstmals ausgetragen im Jahr 1907, findet es nun bereits zum 112-mal statt. Der Spitzname „La Primavera“ stammt von dem traditionellen Veranstaltungsdatum Ende März – passend zum Frühlingsbeginn. Oft wird der Titel auch als „prima vera corsa“ gelesen, was soviel wie das erste richtige Radrennen bedeutet. Dabei ist die Bedeutung doppeldeutig. Als traditionsreiches Rennen findet Mailand SanRemo bereits seit über 100 Jahren regelmäßig statt, ist aber doch nicht das älteste Event im World-Tour Kalender (Lüttich-Bastogne-Lüttich / La Doyenne). Un während es vor einigen Jahrzehnten noch der ordentliche Einstand in die Saison war hier teilzunehmen (und wenn möglich zu gewinnen), so finden nun mit Omloop het Nieuwsblad oder Paris-Nizza bereist andere prestigeträchtige Rennen vorher statt.

Ein weiterer Spitzname ist „La Classicissima“ (Die Klassikerin).

Die Streckenführung von Mailand SanRemo

Die Streckenführung des Rennens ist so einfach wie kompliziert. Gemäß dem Titel führt die Strecke von der Modestadt Mailand bis in den Küstenort SanRemo. Als Charakteristik der Strecke ist vor allem die enorme Länge bekannt. Mit ca. 300 Kilometern (inklusive Neutralisierung) und einer Dauer von meist über 7 Stunden ist „La Primavera“ für viele Fahrer der längste Renntag des Jahres. Auch wenn sich die genau Streckenführung über die Jahre immer wieder etwas verändert hat, sind doch folgende Anhaltspunkte oft rennentscheidend.

Das Finale von Mailand SanRemo mit Cipressa und Poggio im Profil
Die finalen Kilometer von Mailand SanRemo garantieren Jahr für Jahr Spannung und sind immer ein Saisonhighlight

Auf den letzten 30 Kilometern gilt es wie immer zwei Anstiege zu bewältigen. Die Cipressa und der Poggio di SanRemo sind weder wesentlich steil noch sehr lang, so dass die Selektion im Feld durch ein hohes Tempo erzwungen wird.

Unsere Komoot Classics

Mit Hilfe des Routenplaners Komoot wollen wir die Frühjahrsklassiker dieses Jahr selber miterleben. Die Covid-19 Pandemie hält uns dabei leider davon ab nach Italien zu fahren und die Originalstrecke von Mailand SanRemo zu erleben, weshalb wir eine Alternative in unserem Trainingsgebiet rund um Aachen geplant haben.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.komoot.de zu laden.

Inhalt laden

Das charakteristische Profil mit Poggio und Cipressa lässt sich natürlich schlecht nachstellen, weshalb wir uns primär an der langen Renndauer orientiert haben. Auch wenn wir bisher schon reichlich Grundlagenkilometer abgespult haben, so ist eine 200 Kilometer-Tour Mitte März, doch ein ganz schönes Unterfangen.

Los geht’s

Ausgehend vom Startpunkt am Aachener Westfriedhof – hier kann man auch gut parken 😉 – führt die Route zuerst in Richtung Valkenburg, die Stadt, die unter Rennradfahrern vor allem für die Ankunft des Amstel Gold Race bekannt ist. In dieser Umgebung werden wir in ein paar Wochen auch noch etwas mehr unterwegs sein. Das erste richtige Ziel ist dann aber der Tom Dumoulin Bikepark, ein innovatives Trainingsgelände für Rennradfahrer. Danach geht es in Richtung Norden. Hier werden einige verkehrsberuhigte Abschnitte, zum Beispiel im Naturschutzgebiet Meinweg, befahren.

Entlang der Tagebauten

Als nächstes führt die Strecke unseres DIY Mailand SanRemo entlang der Tagebauten Gatzweiler 1+2 bevor wir uns über den Terra-Nova-Speedway dem Tagebau Hambach nähern. Die unbefahrenen Werksstraßen erinnern beinah an eine abgesperrte Rennstrecke. So kann man das Training gleich doppelt genießen.

Rennradausflug zum Tagebau Gatzweiler
Beeindruckender Ausblick am Tagebau Gatzweiler

Von Jülich an führt schließlich eine alte Bahntrasse zurück in Richtung Aachen. Ähnlich wie auf der regional bekannten Vennbahntrasse, kann man auch schön gleichmäßig fahren, vorausgesetzt man achtet auf den ein oder anderen Fußgänger.

Der DIY-Mailand SanRemo-Ride

Unser Mailand SanRemo im DoItYourself-Format startete durchaus holprig. Die Räder waren vorbereitet, Reifendruck geprüft, Kette geölt (naja, eigentlich gewachst) und die Trinkflaschen befüllt als uns Probleme mit der Wahoo-App und der Elemnt Radcomputer eingebremst haben. Routen aus Komoot konnten nicht mit dem Gerät syncronisiert werden. An welcher Stelle das Problem jetzt genau aufgetreten ist wissen wir nicht, wir hoffen aber mal das es schnell behoben wird.

Folglich mussten wir etwas umplanen.

Nach kurzem überlegen haben wir uns dazu entschieden, die Navigation über die IOS-App von Komoot zu starten, und sind davon am Ende doch positiv überrascht gewesen. Mit dem Handy in der Trikottasche und regelmäßigen Voice-Over Navigationsbefehlen ging es also los. Etwas ungewohnt, aber bei hervorragenden Wetter froh unterwegs zu sein.

Unterwegs im Mergelland

Die erste Stunde war sehr unspektakulär, da wir diesen Streckenabschnitt aus zahllosen Trainingsfahrten kennen. Bis nach Valkenburg konnten wir so gut in einen Rhythmus finden und das Tempo mit einem Schnitt von 30,6 km/h setzen.

Auf dem Weg zum zum Tom-Dumoulin-Bike-Park dann der erste Rückschritt. Bei heftigen Windgeräuschen überhören wir einen Hinweis und verfahren uns. Zum Glück bemerken wir unseren Fehler bereits nach wenigen hundert Metern und sind schnell wieder auf der geplanten Route. Darauf werden wir in Zukunft mehr achten – was nicht heißt das es uns noch mindestens 10-mal passiert ist.

Zudem sank unser Schnitt mit der Ortsdurchfahrt Sittard und einigen Ampeln und Kreuzungen stark. Der auf Karten nicht verzeichnete Zandberg, ein nicht einmal 300 Meter langer, aber bis 19% steiler, kurzer Anstieg sorgte auch nicht gerade für gute Laune.

Gottseidank fanden wir schnell zurück in unseren Rhythmus. Die nächste Stunde konnten wir einen Schnitt von über 32 km/h erreichen und so wieder Boden gut machen.

Dabei war auch gerade der Abschnitt durch den ‚Nationaal Park De Meinweg‘ bei Herkenbosch ein echtes Highlight dieser Tour. Über beinah neun Kilometer führt eine stillgelegt und gesperrte Landstraße durch das Reservat bis an die deutsch-niederländische Grenze.

Radfahrer auf der stillgelegten Straße durch das Naturschutzgebiet 'Nationaal Park De Meinweg'
Die rote Färbung der Straße im Naturschutzgebiet Meinweg weist darauf hin, das es sich hier um einen reinen Rad- und Fußweg handelt

Zurück in Aachen?

Als wir kurz darauf durch den Lüttelforst fahren sorgt ein Sraßenschild für kurzfristiges Herzklopfen – haben wir uns erneut verfahren? Auf dem Schild steht groß Lousberg, den Hügel mit Drehcafé aus dem Aachener Raum finden wir hier aber nicht. Der Namensvetter unseres aachener Anstieg ist weder so steil noch lang, dafür aber mindestens genauso schön.

Radfahrer am Lousberg im Lüttelforst
Heimatgefühle am Lousberg im Lüttelforst

Nach einem der Passage des ersten Tagebauabschnitts haben wir in Elsen bei Grevenbroich eine kurze Tankstellenpause eingelegt. Cola, Wasser, Snickers und Laugenbrezel – ein origineller Snack den sich die Rennfahrer so nicht erlauben. Gut gestärkt ging es dann weiter in Richtung des Terra Nova Speedway. Die ehemalige Abraumbandtrasse ist heutzutage asphaltiert und für die Öffentlichkeit zugänglich. Radsportler, Inlineskater und Spaziergänger genießen auf der breiten Straße Hand in Hand die Natur.

Open Up Gravelbike steht an der Kante des Tagebau Gatzweiler
Das Open Up an der Kante des Tagebau Gatzweiler

Hier beginnt für uns nun der schwere Teil der Strecke. Auch wenn das aus der Routenplanung nicht direkt so hervorgeht. Mit Gegenwind führt uns der Rückweg über Jülich zurück nach Aachen. Mit ausreichend Grundlagenkilometern ist dies allerdings kein Problem. Erstaunlich fit kommen wir zuhause an. Mit An- und Abfahrt zum Startort kommen wir auf ganze 219 Kilometer. DIY Mailand SanRemo ✓

Für uns war das unser erstes Komoot Classic Event ein echter Erfolg. Auch wenn der Start etwas anders war als geplant, so konnten wir dank der Komoot-App eine wunderbare Strecke befahren. Gerade die Abschnitte Meinweg, Lüttelforst und der Terra Nova Speedway haben richtig Spaß gemacht, da man völlig ohne Verkehr unterwegs ist. Diese Strecke, und viele weitere, findet ihr bald in unserer Komoot Collection.

Mailand SanRemo – Wer gewinnt hier?

In den vergangenen Jahren hat sich Mailand SanRemo ganz klar als Klassiker oder Monument der Sprinter herauskristallisiert. Diese schaffen es mit guter Form und ausreichend Unterstützung des eigenen Teams häufig über die Schlussanstiege und können dann das Finale für sich entscheiden. So konnten unter anderem Erik Zabel (4-mal) oder Fahrer wie Arnaud Demare, Mark Cavendish oder Mario Cipollini hier gewinnen.

Andererseits können auch endschnelle Klassikerfahrer dieses schwere Rennen gewinnen. Denn gerade durch die enorme Länge werden die Fahrer bei Mailand SanRemo immer wieder neu herausgefordert. Spezialisten die nach einer solch langen Strecke noch hohe Leistungen abrufen können, setzen sich immer wieder am Poggio ab, lassen die Sprinter hinter sich und können das Rennen so unter sich entscheiden. Fahrer wie John Degenkolb, Julian Alaphilippe und Wout Van Aert aber auch Vincenzo Nibali oder Michal Kwiatkowski konnten das Rennen so für sich entscheiden.

Dieses Jahr war Mathieu van der Poel der klare Favorit für dieses Rennen. Er hat in den vergangenen Jahren bereits Rennen wie die Flandernrundfahrt und das Amstel Gold Race eindrucksvoll gewonnen, im Cyclocross dominiert er. Mit seinen Erfolgen bei Strade Bianche und Tirreno Adriatico, sowie starken Rennen bei Kuurne-Brussels-Kuurne und Le Samyn konnte er auch in dieser Saison bereits seine Form unter Beweis stellen.

Filippo Ganna / Team Ineos Grenadiers am Poggio bei Mailand SanRemo 2021
© Photo LaPresse – Fabio Ferrari March, 20 2021 Milano (Italy) Sport Cycling 112 Edition Milano Sanremo – from Milan to Sanremo – 299 km In the pic: Filippo Ganna

Im Finale von Mailand SanRemo übernahmen erst das Team Jumbo Visma für den Vorjahressieger Wout van Aert die Kontrolle, bevor sich Luke Rowe und Filippo Ganna von den Ineos Grenadiers entschieden das Renngeschehen zu gestalten. Mit einer sehr hohen Taktzahl an Cipressa und Poggio versuchte man Sprintern wie Sam Bennett das Leben schwer zu machen. Die entscheidende Attacke, erfolgte dann aber nicht etwa von Tom Pidcock oder Michał Kwiatkowski sondern dem amtierenden Weltmeister Julian Alaphilippe. Ihm konnten die meisten Spitzenfahrer folgen, so wie überraschend auch Caleb Ewan und aus deutscher Sicht Max Schachmann. Der 27-Jährige hatte sich vor wenigen Tagen erst zum back-to-Back Sieger bei Paris-Nizza gekrönt.

Zieleinfahrt - Jasper Stuyven (Trek - Segafredo) gewinnt Mailand SanRemo 2021 vor Caleb Ewan und Wout Van Aert
© Photo Gian Mattia D’Alberto – LaPresse March, 20 2021 Sanremo (Italy) Sport Cycling 112 Edition Milano Sanremo – from Milan to Sanremo – 299 km In the pic: Jasper Stuyven (Trek – Segafredo), the winner

Überrascht hat am Ende jedoch der Belgier Jasper Stuyven. Bei seiner Attacke in der Abfahrt vom Poggio, knapp 3 Kilometer vom Ziel entfernt, gucken sich die Favoriten gegenseitig an. Niemand will die Nachführarbeit übernehmen. Der Plan ging auf und so holte ihn die Gruppe erst kurz hinter der Ziellinie ein. Der Sieg bei Mailand SanRemo ist der bisher größte Erfolg seiner Karriere. Eine starke Leistung zeigte auch Peter Sagan, eingebremst von einer Covid-19 Erkrankung hatte er zuletzt noch einiges an Trainingsrückstand und Formmangel gezeigt. Hier wurde er jedoch Vierter.

Gut gestärkt auch auf langen Strecken ankommen

Gerade auf langen Distanzen wie unserem DIY Mailand SanRemo ist es wichtig genug Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, sonst droht der Hungerast. Riegel, Gels und Isotonische Getränke sind dabei nicht nur die Wahl der Profis, sondern auch für uns Hobbysportler ideal geeignet. Klein und mit hoher Energiedichte passen sie in jede Trikottasche und sind einfach und schnell zu sich genommen.

Eine Auswahl an an Produkten findest du in unserer Kategorie Sporternährung!

Teile diesen Beitrag

Share on facebook
Share on google
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on print
Share on email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.